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Allgemeines
Die Samtgemeinde Brookmerland ist ein 1969 gegründeter Kommunalverband, dem die Gemeinden Leezdorf, Marienhafe (mit Ortsteil Tjüche), Osteel, Rechtsupweg, Upgant-Schott (mit Ortsteil Siegelsum) und Wirdum angehören.
Das Gebiet hat eine Größe von insgesamt 77 Quadratkilometer mit rd. 13 000 Einwohnern. Es liegt nur wenige Kilometer von der Nordseeküste entfernt im Städtedreieck Emden - Aurich Norden. Das Besondere ist, dass es sowohl weite Marschlandschaften als auch Geestländereien und Moorbereiche umfasst. Diese Konstellation ist kaum in einer anderen Gemeinde zu finden.
Der Flecken MARIENHAFE wurde planmäßig als Marktort angelegt. Auch heute finden noch regelmäßig Wochenmärkte (Donnerstags) und Jahrmärkte (im Frühjahr und im Herbst) statt. Marienhafe ist Sitz der Samtgemeindeverwaltung und der Hauptgeschäftsort des Brookmerlandes. Auch die meisten Ärzte haben sich hier niedergelassen.
Die Gemeinden UPGANT-SCHOTT, OSTEEL und WIRDUM sind weitgehend ländlich-landwirtschaftlich geprägt. Die landwirtschaftlichen Betriebe - mit Ausnahme der größeren Bauernhöfe - werden allerdings meist nur noch im Nebenerwerb betrieben.
LEEZDORF und RECHTSUPWEG haben sich aus Moorkolonien entwickelt. Die Bewirtschaftung der Landstellen ist in den Hintergrund getreten, seitdem viele Einwohner vor allem auswärts im VW-Werk Emden, auf den Werften und im Handel beschäftigt sind. Für alle Gemeinden hat der Fremdenverkehr an Bedeutung gewonnen.
Während Marienhafe aus seiner Anlage heraus einige kleinstädtische Züge mit der entsprechenden Infrastruktur hat, sind in Osteel und Upgant-Schott deutliche Formen der Reihensiedlungen, die ursprünglich 'am Hochmoorrand angelegt wurden, zu erkennen. Leezdorf und Rechtsupweg bilden typische Streusiedlungen. Wirdum und Siegelsum sind Haufendörfer, in denen die Häuser um die Kirchwarf herum gebaut wurden. Auch diese vielfältige Siedlungsstruktur ist selten so ausgeprägt in anderen Gemeinden anzutreffen.
Geschichtliches
Die Bezeichnung "Brookmerland" (Broke, Broecmara, Brocmannia) ist auf den ursprünglichen Zustand dieses Gebietes zurückzuführen. Brok bedeutet Bruchland, sumpfiges, feuchtes, mooriges, von Wasserläufen durchfurchtes, rissiges und brüchiges Land. Im frühen Mittelalter war es kaum bewohnt, denn die Landschaft wurde bis an die etwas höher gelegenen Moorrandbereiche immer wieder durch die Nordsee überflutet. Erst nachdem um das Jahr 1000 die ersten Deiche gegen die Wasserfluten gebaut wurden, ließ sich das Land besser bewirtschaften.
Das Brookmerland bzw. die Brokmer werden erstmals im Jahre 1148 in der Östringer Chronik erwähnt. Die Brokmer unterstützten das Wangerland in einer Fehde gegen Östringen. 1251 schließt der Bischof Otto II. von Münster einen Sühnevertrag mit den Brokmännern. Hierin wird deutlich, dass die Siedler dieses Gebietes eine eigenständige Landgemeinde bildeten.
Die Eigenständigkeit kommt besonders in dem Brokmer Recht zum Ausdruck. Dieses Recht wurde um 1300 schriftlich fixiert. Es enthält mehrfach die Formulierung "das wollen die Brokmänner ... „. Die Mitwirkung des Volkes bei der Festlegung von Rechtsvorschriften und der Besetzung von Ämtern bei den Gerichten, in der Verwaltung und bei Zwangsvollstreckungen ist für die damalige Zeit außergewöhnlich.
Es ist davon auszugehen, dass die genossenschaftlichen Züge und der demokratische Charakter der "Brokmer Willküren" insbesondere deshalb so ausgeprägt waren, weil die Besitzverhältnisse keine großen Unterschiede aufwiesen.
Das Brokmer Recht war zweifelsohne die Grundlage für die beachtliche Entwicklung des Landes. Dennoch konnten die vielfältigen demokratischen Regeln auf die Dauer nicht verhindern, dass sich eine herrschende Oberschicht aus früheren bzw. neu gewählten Amtsinhabern bildete.
Reiche Grundbesitzer begannen, zu ihrer eigenen Sicherheit Steinhäuser und Burgen zu bauen, in denen sie auch ihren Nachbarn Schutz boten - wenn auch nicht ohne Gegenleistung.
Der erste Häuptling des Brookmerlandes war 1347 Keno Hilmersna. Er nannte sich später "tom Brok". Sein Sohn Ocko suchte Auslands- und andere Erfahrungen bei Königin Johanna von Neapel, von der er sogar zum Ritter geschlagen wurde. Ocko wurde später auf seiner Burg in Aurich meuchlerisch ermordet, so dass sein ältester (nichtehelicher) Sohn Widzel an die Macht kam.
Widzel tom Brok nahm 1395/96 die aus der Ostsee vertriebenen Seeräuber, die sich Vitalienbrüder oder Liekedeler nannten, auf. Er bot ihnen Unterkunft und Verpflegung in den Wintermonaten und ermöglichte die Vermarktung der bei den Raubzügen auf der Nordsee erbeuteten Waren. Als Gegenleistung waren die Seeräuber bei den Fehden der um die Vormacht in Ostfriesland streitenden Häuptlinge behilflich.
Der Überlieferung nach kam der berühmteste und wohl auch berüchtigte Seeräuber, Störtebeker, am 13. Januar 1396 nach Marienhafe. Hier bewohnte er den Raum im ersten Stock des Turmes der Marienkirche. Der Turm ist daher in ganz Deutschland als "Störtebekerturm" bekannt. Auch in der nahen Burg Upgant soll er untergekommen sein.
Nach der Häuptlingszeit wurde Ostfriesland 1464 eine Grafschaft. Die Herrschaft über das Amt Brookmerland wurde zunächst noch vom Mittelpunkt Marienhafe ausgeübt. Ende des 15. Jahrhunderts kam das Brookmerland zum Amt Aurich und wurde in die Nordbrookmer und Südbrookmer Vogtei aufgegliedert
Spezielles
Die nach Einwohnerzahlen größte Gemeinde ist Upgant-Schott mit 3629 Einwohnern (Stand: 09.03.2000). Es folgen Osteel mit 2387, Rechtsupweg mit 2049, Leezdorf mit 1965, Marienhafe mit 1896 und Wirdum mit 1084 Einwohnern.
Nicht zuletzt durch die Erschließung neuer Baugebiete in allen Gemeinden ist die Zahl der hier heimischen Bewohner seit der Gründung der Samtgemeinde von rd. 10 600 auf über 13 000 angestiegen. Fast alle wohnen in Einfamilienhäusern. Gebäude mit mehr als zwei Wohnungen gibt es nur vereinzelt. Vielfach werden nicht für eigene Zwecke genutzte Zimmer oder Einliegerwohnungen als Gästezimmer oder Ferienappartements vermietet.
In allen Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Brookmerland gibt es Schulen, Grundschulen, Kindergärten. Den meisten Schulen sind Büchereien angegliedert, die zu bestimmten Zeiten auch den Einwohnern und Gästen zur Verfügung stehen. In Marienhafe, Leezdorf und Wirdum laden Jugendhäuser zum Besuch ein.
Der Sport wird in der Samtgemeinde Brookmerland von jeher groß geschrieben. Die Schwimmhalle in Marienhafe, Speckweg, ist täglich außer montags geöffnet. Turn- bzw. Sporthallen gibt es in Marienhafe, Leezdorf, Osteel, Rechtsupweg und Wirdum.
Freizeitsportanlagen sind ebenfalls in allen Gemeinden zu finden. In Marienhafe kann auf Aschen- und Hartplätzen Tennis gespielt werden. Auf der zentralen Sportanlage in Upgant-Schott besteht die Möglichkeit, die Prüfungen für das Sportabzeichen abzulegen.
Naherholung wird überall in der freien Natur des Brookmerlandes und an der Küste geboten. Besonders zu erwähnen sind das "Große Meer" in Südbrookmerland, aber auch die westlich der Bahnlinie neben dem Naturschutzgebiet angelegten "Tjücher Berge" sowie der Kolk am Tjücher Moorthun. Hier wurde ein Rundwanderweg angelegt, der auch als Trimmpfad gestaltet ist, und eine Flachwasserzone hergerichtet, die im Winter bei entsprechendem Frost als gefahrlose Eislauffläche genutzt werden kann.
Die Möglichkeiten, die weite Landschaft mit dem Fahrrad zu erkunden und dabei frische Luft zu tanken, sind vielfältig.
Sehenswertes
Die Marienkirche
Das Wahrzeichen des Fleckens Marienhafe (man darf wohl sagen des ganzen Brookmerlandes) ist die Marienkirche. Sie wurde im 13. Jahrhundert, vermutlich um 1230, erbaut. Große Teile der Kirche mussten 1829 wegen Baufälligkeit und zu hoher Renovierungskosten abgerissen werden. Nur das Mittelschiff blieb erhalten. Es wurde durch Zumauern der Gewölbe und den Einbau von Fenstern im oberen Bereich zu einem verkleinerten Gotteshaus umgebaut. Kurze Zeit später wurde der Westturm um zwei Stockwerke gekürzt.
Das, was heute noch von der dreischiffigen basilikalen Kreuzkirche übriggeblieben ist, lässt kaum erahnen, dass sie ursprünglich vom Turm bis zum Chor 72 m lang war. Auch der Turm hatte eine Höhe von ca. 72 m und war einschließlich Spitze somit etwa doppelt so hoch wie heute. Aber auch jetzt hat man noch einen herrlichen Ausblick, so dass sich die Besteigung des "Störtebekerturmes" auf jeden Fall lohnt.
Die Osteeler Kirche
Die Kirche wurde Mitte des 13. Jahrhunderts gebaut. Auch sie war ursprünglich eine eindrucksvolle Kreuzkirche, die 1830 renoviert und dabei auf ihre jetzige Größe reduziert wurde. Die Orgel wurde 1619 von dem ostfriesischen Meister Edo Evers gebaut. Sie ist die zweitälteste Orgel Ostfrieslands.
Von 1604 bis 1617 war der berühmte Astronom David Fabricius Pastor an der Kirche in Osteel. Fabricius entdeckte den seine Helligkeit verändernden Stern "Mira Ceti" und verfasste die erste in Ostfriesland gedruckte Heimatkarte. Sein Sohn Johannes entdeckte 1610 als erster die Sonnenflecken. Beiden wurde 1895 auf dem Osteeler Friedhof östlich der Kirche ein Denkmal gesetzt, das die Urania, die Muse der Astronomie, die Sonne in den Händen haltend, darstellt. Sehenswert sind auch die kleinen Dorfkirchen in Siegelsum und Wirdum.
Die Wirdumer Kirche ist - soweit bekannt im 14. Jahrhundert erbaut worden. Hervorzuheben ist die schöne Kanzel, die 1699 von Jakob Cröpelin geschaffen wurde.
Der kleine Ort Siegelsum besaß bereits im 13. Jahrhundert ein eigenes Gotteshaus, das wegen der im Dreißigjährigen Krieg erlittenen Schäden abgebrochen werden musste. Die jetzige Kirche wurde 1822 errichtet.
Das Störtebekerdenkmal
1992, knapp 600 Jahre nach der gastlichen Aufnahme der Vitalienbrüder, hat der Flecken Marienhafe seinem berühmtesten Anführer Störtebeker ein Denkmal gesetzt. Die Plastik am Eingang des Marktplatzes wurde von dem Bildhauer Karl Ludwig Böke geschaffen. Die ausdrucksvolle Figur des Seehelden ist 2,40 m groß und besteht aus Bronze. Sie ist - mit dem Störtebekerturm im Hintergrund übrigens ein sehr beliebtes Fotomotiv.
Die Windmühlen
Vier historische Windmühlen drehen ihre Flügel im frischen Wind der Samtgemeinde Brookmerland. Sie prägen ebenso wie die Backsteinkirchen in eindrucksvoller Weise das Bild der Landschaft. Dass diese hundertjährigen und älteren technischen Bauwerke erhalten wurden und heute noch Korn mahlen können, ist dem ideellen und finanziellen Einsatz der Eigentümer, aber auch der Hilfe der Denkmalpflege und der Gemeinden zu danken. Alle Mühlen sind sogenannte Galerieholländer. Die Marienhafer Mühle am Mühlenloog wurde in den Jahren 1772 bis 1776 gebaut und 1821 um ein drittes Stockwerk erhöht. Sie ist mit 24,30 m im First etwas höher als die ebenfalls dreistöckige Windmühle Upgant-Schott am Mühlenloog aus dem Jahr 1880. Aus der Zeit der Vorgängermühle ist noch das 1825 gebaute Müllerknechthaus erhalten. Die Tjücher Mühle (am nördlichen Ortseingang von Marienhafe, 1895/96 gebaut) ist ebenso wie die Leezdorfer Mühle zweistöckig. Das Besondere an der Leezdorfer Mühle ist, dass die Kappe mit dem Flügelkreuz manuell in den Wind gedreht werden muss, während dies bei den drei erstgenannten durch den Antrieb der Windrose erfolgt. In der Leezdorfer Mühle und im renovierten Müllerhaus zeigt der Heimatverein alte Arbeitsgeräte. Alle Mühlen können besichtigt werden.
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