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Historische Informationen zur Gemeinde Wirdum

Die Gemeinde Wirdum gehört zu den ältesten Warfendörfern der Krummhörn. Bodenfunde sind um das Jahr 1000 datiert worden. Schon im Schenkungsregister des Klosters Fulda kommt Wirdum als “Uurtheim” vor; in anderen alten Urkunden findet sich die Schreibweise “Wirthum” oder “Werthumb”. Die Deutung des Namens fällt unterschiedlich aus: “Heim des Wirdo”, “Heim auf der Insel” oder “Heim auf der Höhe”. Ohne Übertreibung kann man Wirdum wohl als ein Bindeglied zwischen dem Brookmerland und der Krummhörn ansprechen: Die älteste bekannte Landverbindung aus dem Brookmerland führt, nach Westen abzweigend vor der Hauptverbindung Aurich-Marienhafe, über die “Schottjer Piepe” nach Wirdum. Von da geht es dann weiter nach Greetsiel und in die Krummhörn oder aber auch über Canhusen-Hinte nach Emden. Eine weitere Verbindung kann auch darin gesehen werden, dass einmal die Marienkirche von Marienhafe durch die Prämonstratenser erbaut und noch bis ins 14. Jahrhundert hinein von Kanonikern dieses Ordens betreut wurde und dass zum andern in der Gemarkung Wirdum das Prämonstratenser-Kloster “Aland” (=Insel) als ein Nonnenkloster bestand, das zeitweise aber auch Mönche beherbergte. Kloster Aland hatte um 1255 etwa 90 Bewohner, sein Landbesitz betrug runde 400 Hektar. Im Jahre 1529/30 wurde es von Graf Enno “eingezogen”, also aufgelöst. Noch heute gibt es in Wirdum die an das frühere Kloster erinnernden Höfe “Aland”, “Kloster-Aland”, “Meer-Aland” und Weel-Aland”.

Die Landverbindung zwischen dem westlichen Brookmerland und Wirdum wurde mit Einbruch der Leybucht unterbrochen, Wirdum selbst geriet unmittelbar an den Rand der Leybucht, worauf der “Wirdumer Altendeich” noch heute hinweist. Dort bestand auch ein eigenes “Syhl”.

 Um die Mitte des 14. Jahrhunderts ist in Wirdum eine Burg nachgewiesen, die zum Besitz der Häuptlingsfamilie Beninga gehörte. Sie wurde 1426 durch die Hamburger zerstört; die Beninga verlegten ihren Wohnsitz nach Grimersum, wo sie eine neue Burg erbauten, deren Reste erst im 20. Jahrhundert verschwanden. Wirdum hatte engere Bindungen zu Grimersum und Jennelt, wie ein Vertrag vom 18. Juli 1426 beweist, in dem den Bauern dieser drei Gemeinden der Schutz des Häuptlings Imelo Beninga in Auseinandersetzungen mit feindlichen Kräften zugesagt ist; die Bauern müssen dafür die von Imelo geforderten Dienstleistungen ausführen.

Die Kirche in Wirdum wird dem 14. Jahrhundert zugeschrieben. Bemerkenswert ist ihre Kanzel, 1699 von Jakob Cröpelin geschaffen. Zeitweise standen in Wirdum zwei Kirchen, nämlich die Klosterkirche und die neue Kirche im Ort, 1426 hatte diese einen Prediger, zu einer Zeit, als “her Yalen kerkher to Wyrdum” war. Ein Lehrer in Wirdum wird erstmals 1583 erwähnt.

Bekannt wurde Wirdum durch das Religionsgespräch am 10. Mai 1552, das auf Veranlassung der Gräfin Anna zustande kam. Es ging dabei um die Auslegung des Abendmahls. Drei Norder und zwei Emder Pastoren einigten sich und unterzeichneten die “formuia wirdumana”, der allerdings kein Erfolg beschieden war. Das dieses Gespräch in Wirdum stattfinden konnte, also auf halbem Wege zwischen Emden und Norden, zeigt, dass inzwischen wieder eine Landverbindung zum Brookmerland bestand. Der 1498 in Richtung Osteel gebaute Deich war zwar noch im gleichen Jahre wieder so schwer beschädigt worden, dass er aufgegeben werden musste - erst 1556 wurde er dauerhafter errichtet -, aber der um die gleiche Zeit nach Schott gezogene Deich hatte gehalten.

Es ist überliefert, dass um 1500 eine Visitationsreise des bischöflich-münsterischen Offizials unter anderem über Grimersum, Wirdum und Schott nach Marienhafe führte. 1569 ritt der Junker Frerik Coenders van Helpen, von Mitteldeutschland kommend, durch Ostfriesland nach Norden. Er führte genau Tagebuch und brauchte für die Strecke von Wirdum über Schott und Marienhafe nach Osteel eine Stunde. Zu dieser Zeit muss also der Weg schon recht gut gewesen sein. Er war damals Teil der Landverbindung zwischen Norden und Emden über Marienhafe, einem Knotenpunkt im damaligen Wegenetz. Neben der Landverbindung bestand auch auf dem Wasserwege die Möglichkeit, Wirdum zu erreichen. Allerdings ist von einer regelmäßigen Fährbootverbindung nach Wirdum nichts Näheres bekannt, aber über das Wirdumer Sieltief ist der Ort sicher versorgt worden: der Hafen lag unmittelbar am Südrand der Dorfwarf. Das Sieltief hat noch heute direkte Verbindung zu dem umfangreichen Netz der Tiefs in der Krummhörn sowie zur Abelitz, zum Großen Meer und nach Emden. Der Verkehr hat sich auch hier vom Wasser auf die Straßen verlagert, die immer besser ausgebaut wurden.

Zum Bau einer einst angeregten Kleinbahnverbindung von Marienhafe über Wirdum nach Pewsum ist es nicht gekommen. Dagegen bestand einmal eine Autobusverbindung von Aurich über Marienhafe bis nach Wirdum. Sie ist längst eingestellt, aber die Kraftpostverbindung nach Emden besteht noch heute. Die nahezu rein landwirtschaftlich ausgerichtete Gemeinde erschloss erst in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg neue Wohngebiete unmittelbar am Ort. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden durch Eindeichung neue Polder. Auf ihnen wurden eine ganze Anzahl einzeln liegender Höfe gebaut, so das Wirdum sich in seiner großen Feldmark als Streusiedlung darstellt. Daneben kommt am “Wirdumer Altendeich” entlang noch die Form der Reihensiedlung vor.

Es wird wenige Gemeinden in der Größe von Wirdum geben, die gleich fünf Friedhöfe aufweisen, einige allerdings heute geschlossen: An das alte Kloster Aland erinnert ein beim Hof “Kloster Aland” liegender Friedhof, ein zweiter liegt an der Kirche, ein dritter am Nordostrand des Siedlungsgebietes, der vierte am “Altendeich” und schließlich der neueste an der nach Marienhafe führenden Landstraße 26.

Wirdum, am Ostrande der Krummhörn gelegen, gehörte früher zum Amt Greetsiel und in diesem mit Grimersum zur Oster-Vogtei, danach zum 1932 aufgelösten Landkreis Emden und von da an zum Landkreis Norden. Im Zuge der Gemeindereform von 1972 entschied sich die Gemeinde für den Anschluss an das Brookmerland, zu dem die Bindungen in unserer Zeit letzlich doch wohl stärker waren als die zur Krummhörn.


Quelle: Das Land um den Störtebekerturm, Rudolf Folkerts / Jakob Raveling, ISBN 3-922365-33-7

Wappen_Wirdum