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Historische Informationen zur Gemeinde Upgant-Schott

Auf hohem Rücken liegt die Kernsiedlung von Upgant-Schott. Der Name "Upgant" wird daher auch vom
Plattdeutschen her als "up de Kant" (= auf der "hohen" Kante) gedeutet. Ob eine weitere Deutung nach einem alten Wasserlauf "Gant" (also etwa "oberhalb der Gant") richtig sein kann, braucht hier nicht untersucht zu werden. Wesentlich wichtiger ist, dass wir mit Upgant die älteste urkundliche Erwähnung aus dem Bereich des Nordbrookmerlandes überhaupt finden, nämlich im Schenkungsregister des Klosters Fulda von 945: Dort ist ein "Cuppargent" aufgeführt, das Lieferungen an dieses Kloster zu leisten hatte. Der Name dürfte allerdings falsch geschrieben sein, wie das auch der Heimatforscher Carl Woebcken meint: Die Mönche schrieben nach Diktat, und da kurz vorher der Name "Coppo" gefallen war, kann aus dem diktierten "Uppagent" leicht "Cuppargent" geworden sein, und eine Rechtschreibung, wie wir sie kennen, wird es damals wohl noch nicht gegeben haben. Im Marienhafer Kirchensiegel von 1460 lautet die Umschrift: "Sigillum Sante Marie de Uppagent"; der Name wurde später zu "Upgant".

Alte Siedlungsgebiete sind außer "Upgant" noch "Schott" und "Mühlenloog". Die Bezeichnung "Schott" wird vom plattdeutschen "scheten" (= werfen) her gedeutet: Die aus einem Graben geworfene Erde lag als eine Art Wall auf der Kante und hieß früher "Schott". Eine andere Deutung geht vom Schließen von Sielen und Schleusen durch "Schott" genannte Fall- oder Schiebetüren aus: Vielleicht war früher einmal der unweit der "Schottjer Piepe" in die "Abelitz" einfließende "Upganter Zugschloot" durch ein Siel mit einschiebbarem "Schott" abgesichert. Beim "Mühlenloog" ist die Erklärung einfach: Es ist das Wohngebiet in der Nähe der Windmühlen. In den Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelten sich weitere Siedlungsgebiete in der "Schottjer Dreesche", zwischen "Mühlenloog" und "Upgant", in "Osterupgant" sowie in den letzten Jahren besonders stark am "Ihlingswarf", von da zur "Dreesche" und schließlich zwischen "Voßberg" und dem "Schiffsleidingsweg" sowie am "Eetsweg".

Viel taten die Bauern für die Kultivierung des Bodens. Davon zeugen auch die bereits erwähnten drei adeligen Güter, die Hakerei, die Haneburg und Gut Wenckebach, die hier wie andernorts fast nur fruchtbare Flächen umfassten. Auf einem solchen Gut soll sich der altbekannte Seeräuber Klaus Störtebeker oft aufgehalten haben, wenn er im Hafen von Marienhafe festgemacht hatte; vielleicht schmiedete er hier gar Pläne für neue Taten. Der Name des Gutes "Haneburg" ist abgeleitet vom früheren Besitzer und Erbauer dieses Herrensitzes, Victor von Hane, der im 16. Jahrhundert Berater des ostfriesischen Grafen in Aurich und mit adeligen Freiheiten ausgestattet war. Nach einem Schatzungsregister von 1656 hatte die damalige "Bauerschaft" Upgant-Schott 57 Herdstellen. Jost van Hane, der darin als "Uffgandt Häubtlingh" aufgeführt ist, musste 8 Reichsthaler an Schatzung zahlen, dagegen kam der Müller Johann Dirks mit 1 Reichsthaler, 6 Schaaf und 15 Witt davon.

Schon frühzeitig hatte die Gemeinde Upgant-Schott gute Verbindungen zu Wasser und zu Lande. Der "Alte Postweg" über Fehnhusen, Oldeborg und Victorbur nach Aurich oder über Marienhafe, Tjüche, Osteel und Bargebur nach Norden, der "Eetsweg" über Siegelsum südwärts, der vermutlich ein alter Wallfahrts- und Prozessionsweg war und durch die Meeden zum "Großen Meer ` führte, und auch der "Leezweg" am Moorrand entlang über Halbemond nach Hage und Berum sowie der "Heerweg" oder "herrschaftliche Weg" über die "Schottjer Piepe" in die Krummhörn und nach Emden sind sicher durchaus brauchbare Landwege gewesen. Zu Wasser konnte man über die "Abelitz" mit Fracht- und Personenfähren überall hinkommen, wo es damals schiffbare Wasserläufe gab, und das waren nicht wenige. Urkunden aus den Jahren 1610 und 1664 regeln sogar die Fährschifffahrt von Emden aus nach "den Rypen, Faensterbrügge unde Marienhaeve" (Riepe, Fahne bei Aurich und Marienhafe). Die Routen nach Riepe und Marienhafe mussten zweimal täglich befahren werden, und es gab genaue Tarife für Fracht und Personenschifffahrt. Die Verbindung ins Brookmerland ging über das Fahnster Tief, das Große Meer, das Longewehrster Meer, die Abelitz zur Schottjer Piepe und weiter über das Störtebekertief nach Marienhafe. Da man sich auf den Wind für die Fortbewegung der Schiffe nicht verlassen konnte, wurden Pferde eingesetzt, die von Treidelpfaden neben den Wasserläufen aus die Schiffe zogen. Von großer Bedeutung war in späterer Zeit die Dorfschifffahrt, die sich aus dem Fährverkehr entwickelte. Sie führte von der "Schottjer Piepe" aus nach Emden und in die Krummhörn. Hier, wo der Heerweg nach Wirdum die "Abelitz" kreuzte, befand sich ein wichtiger Lagerplatz für alle möglichen Güter. Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts gab es wegen des "Stapelrechts" Streitigkeiten zwischen Upgant-Schott und Marienhafe, die aber schnell beigelegt werden konnten. Erst um die Mitte des 20. Jahrhunderts kam die Dorfschifffahrt zum Erliegen. Der Frachtverkehr verlagerte sich endgültig auf die Straße. Der Heerweg war von alters her als "Herrschaftlicher Weg" bezeichnet, weil seinen Unterhalt die gräfliche bzw. fürstliche Herrschaft trug und nicht die Gemeinde Upgant-Schott. Dieser Heerweg war bei der "Schottjer Piepe" durch den Wasserlauf der "Abelitz" unterbrochen. Wer hinüber wollte, musste eine Fähre benutzen, die wie der Weg von der gräflichen bzw. fürstlichen Obrigkeit unterhalten wurde. Das Fährhaus stand etwa dort, wo heute die Gastwirtschaft "Schottjer Piepe" liegt. An der Fährstelle herrschte reger Betrieb, denn nicht nur der Verkehr in die Krummhörn oder nach Emden musste durchgeschleust werden, ebenso auch der in umgekehrter Richtung, zumal hier entlang früher die wichtigste Landverbindung von Emden und aus der Krummhörn nach Norden und Aurich führte. Ganz besonders stark war der Verkehr natürlich, wenn in Marienhafe die einst sehr bedeutungsvollen Viehmärkte und der Jahrmarkt stattfanden oder wenn der Flachs aus der Krummhörn zum Spinnen, Weben und Färben nach Marienhafe geliefert wurde. Für den Unterhalt der Fähre verlangte die Obrigkeit den sogenannten "Schottjer Fährhaber' und ein "Stübergeld". Ein voller Herd (Vollbauernstelle) musste 1 Vierdup Hafer (rund 50 Pfund), jedes Haus einen Stüber (reichlich fünf Pfennige) entrichten. Alle Bewohner des Brookmerlandes mussten bezahlen; die Nordbrokmer Vogtei hatte beides einzuziehen, den Hafer auf "Se. Durchlaucht Kornböden" zu bringen und das Geld an die Rentei in Aurich abzuführen. Es hat ziemlich lange gedauert, bis man sich dazu entschloss, an Stelle der Fähre eine Brücke zu bauen. Allerlei Streitigkeiten gingen voran, wie meist in solchen Fällen. Zu Anfang des Jahres 1777 aber konnte endlich die Ausverdingung des Brückenbaus im "Intelligenzblatt" ausgeschrieben und von den Kanzeln "abgekündigt" werden. Im gleichen Jahre wurde dann die Brücke gebaut und beiderseits der "Abelitz" die Zufahrt erheblich angehoben, musste doch die Brücke so hoch sein, dass die Schiffe unter ihr hindurchfahren konnten. Fast zweihundert Jahre lang hat es eine Holzbrücke gegeben, ständig instandgehalten und oftmals erneuert. Erst vor wenigen Jahren wurde sie im Zuge des Ausbaus des inzwischen zur "Landesstraße 26" erhobenen früheren "Herrschaftlichen Weges" durch eine moderne, den heutigen Verkehrsanforderungen gewachsene Betonbrücke ersetzt, die sogar noch etwas höher liegt als ihre Vorgängerin.

Die "Eingesessenen des Kirchspiels Marienhafe zu Upgant" brachten am 20. Mai 1625 das "alte Bauerrecht" von Upgant "von neuem zu Papier"; es ist am 28. Mai 1625 in Aurich bestätigt (genehmigt) worden. Für jeweils zwei Jahre waren danach zwei "Schützemeister" im Amt. Sie hatten "mit Zuziehung des Gerichtsdieners" die Aufsicht "auf Bäcker, Brauer, Krämer, Krüger (Wirte), ferner auf Stege, Wege, Wasserungen (Gräben), Tillen, Pompen" sowie auf Äcker, Dreesche und Meeden. Dabei durften sie kein "Vollsaufen, Schelten, Schlägerey" verursachen, konnten aber "Brüche" (Bußgelder) verhängen. Nach Ablauf der Amtszeit mussten sie genaue Rechenschaft ablegen.

Ein einsatzbereiter und verdienter Mann aus Upgant-Schott war Abbo Poppinga (1627 bis 1671 ): erbgesessener Hausmann, Vogt, Deich- und Sielrichter, ordentlicher und außerordentlicher Deputierter des Dritten Standes der Landstände und schließlich noch Kirchverwalter in Marienhafe. Er gehörte zu der breiten Schicht der um die Selbstverwaltung des Landes verdienten freien Bauern, die in den Osttriesischen Landständen jahrhundertelang als "Dritter Stand" die Geschicke des Landes mitbestimmten. Am 1 . September 1660 trat er mit 30 bewaffneten Bauern den Emder Steuereintreibern entgegen, die unter militärischem Schutz von der Schottjer Piepe her anrückten. Es kam zu Schießereien, bei denen es auf beiden Seiten Tote und Verwundete gab. Der Emder Hauptmann mit seinen Mannen verschanzte sich in der Kirche zu Marienhafe. Aber Graf Georg Christian ließ durch Abbo Poppinga die Nordbrokmer Vogtei zu den Waffen rufen. Angesichts der Brokmer Übermacht verzogen sich die Emder Soldaten bei Nacht und Nebel. Der Name Abbo Poppinga ist auf der Kanzel der Marienhafer Kirche eingeschnitzt, sein Grabstein ist im Erdgeschoss des Turms aufgestellt.

Die Kinder aus Upgant-Schott besuchten zunächst die Schule des Kirchspiels in Marienhafe. Um 1710 wird dann erstmals von einer Nebenschule mit 24 Kindern in Upgant berichtet, die ein aus dem Ammerland zugereister Schneider in seinem Hause betrieb. Er durfte nach einigem Hin und Her den "kleinen Kindern von Upgant und Schott den Katechismus ins Herz pflanzen". Eine "amtliche" Nebenschule gab es in Schott im Jahre 1750. In einer Verordnung von 1751 ist bestimmt, dass die Kinder aus dem Schott, dem Mühlenloog und dem Westen von Upgant sowie einigen anderen Häusern die neue Nebenschule besuchen mussten, die im Laufe der Zeit zur selbständigen Schule wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts bekam auch der Ortsteil Osterupgant eine eigene Schule. Beide Schulen sind inzwischen wieder geschlossen worden, nachdem das Schulwesen umorganisiert wurde. Heute befinden sich am "Voßberg" in Upgant- Schott die Grundschule für die Gemeinden Marienhafe/Tjüche und Upgant-Schott/Siegelsum sowie die Sonderschule für den Bereich der ganzen Samtgemeinde Brookmerland.

In die ostfriesische Geschichte ist Upgant-Schott durch die "Schlacht auf den Wilden Äckern" vom 28. Oktober 1427 eingegangen, die das Ende der tom Brok und ihrer Bemühungen um die Einigung Ostfrieslands bedeutete. Die "Wilden Äcker ` liegen am alten Weg zwischen Marienhafe und Fehnhusen, dem früheren Hauptweg nach Aurich, dort, wo dieser sich mit dem "Siegelsumer Moorweg" kreuzt.

Quelle: Das Land um den Störtebekerturm, Rudolf Folkerts / Jakob Raveling, ISBN 3-922365-33-7

Wappen_Upgant-Schott