|
Die dritte der zur Nordbrokmer Vogtei gehörenden Kirchengemeinden ist Siegelsum. Den Ort finden wir heute abseits des großen Verkehrs am Eetsweg. Dieser war früher ein Hauptweg und führte weiter über den Quadfenner Weg bis in die Meeden. Im Norden zweigt der Siegelsumer Moorweg ab, der nach Osten direkt ins Hochmoor leitet, wo sich vor zweihundert Jahren Neusiedler ansetzten und die niemals selbständig gewordene Kolonie "Neusiegelsum" gründeten. Im Süden des Ortes kommt man auf dem alten Deich nach Fehnhusen. Dieser Deich grenzte eine alte Bucht ein, die noch jetzt erkennbar ist; hier fließt der Wasserlauf der Maar an Siegelsum vorbei zur Abelitz.
Der Ortsname Siegelsum ist verschieden gedeutet worden. Er kommt in alten Schreibweisen als "Segsum", "Sygildssum" und "Sigelsum" vor. Einmal wird er damit in Verbindung gebracht, dass auf der Meede einst große Ziegeleien gestanden haben sollen, in denen die Steine für die Kirchen in Marienhafe und anderen Orten des Brookmerlandes gebrannt wurden. Andererseits ist Siegelsum im Mittelalter noch Sielort gewesen, so dass der Name auch damit in Verbindung gebracht wird. Siegelsum war auch Häuptlingssitz und hatte eine Burg, die im 17. Jahrhundert den Herren von Steinecker gehörte, deren Familie 1713 ausstarb. Seither wechselte das Eigentum an Burg und Burgäckern; schließlich hat die Kirchengemeinde das auf der Burgstelle stehende Haus angekauft und es als Wohnung für den Lehrer und Organisten genutzt.
Schon im 13. Jahrhundert hatte Siegelsum eine eigene Kirche. Der Unterhalt belastete die kleine Gemeinde aber wohl sehr. Auch der Pastor musste hier ein guter Bauer sein, wenn er über die Runden kommen wollte. Wenn dann, wie es 1623 durch die Mansfelder geschah, ihm noch zwei Milchkühe entführt wurden, ging es sicherlich auch im Pastorenhaushalt sehr ärmlich zu. Die Mansfelder verlangten natürlich auch von Siegelsum ihren Tribut. Als die Siegelsumer nicht zahlen konnten, sollte der Ort gebrandschatzt werden. Dem Kommando der Mansfelder ritt der Siegelsumer Hofbesitzer Klaas de Witt auf einem Schimmel entgegen, dem er das Kunststück beigebracht hatte, auf Befehl niederzuknien. Davon waren der Anführer des Kommandos und seine Begleiter so gerührt, dass sie den herzbewegenden Worten von Klaas de Witt Gehör schenkten und dem Ort einen großen Teil der Schuldlast erließen. Dennoch finden wir im Verzeichnis des Amtes Aurich, dass nach dem Abzug der Mansfelder in Siegelsum acht Häuser niedergebrannt waren und zehn leer standen. Der Kirche ging es nach der Mansfelder Zeit nicht sehr gut. Die kleine Orgel war "ganz zunichte gemacht" worden, der Schulmeister und Organist musste seiner Gemeinde vorsingen. Die Schäden an der Kirche selbst konnten wohl nicht dauerhaft behoben werden, so dass das Gebäude knapp zweihundert Jahre später, 1819, abgerissen werden musste.
1822 wurde ein neues Gotteshaus erbaut, das 1976 gründlich instandgesetzt worden ist. Es erhielt 1845 eine Orgel, die vom hannoverschen König Georg gestiftet wurde, nachdem Kirchverwalter J. H. Kirchhoff ihn bei dessen Sommeraufenthalt auf Norderney aufgesucht und die Bitte um Hilfe zur Beschaffung einer Orgel vorgetragen hatte. Kirchhoff ist in einer Inschrift an der Orgel als "Hauptstifter" erwähnt; er hatte sich ja auch jahrelang immer wieder für die Anschaffung eingesetzt, obwohl wegen der hohen Belastung durch den Neubau der Kirche Mittel nicht bereitgestellt werden konnten. Die alte Kirche in Siegelsum hatte ein großes Taufgefäß aus Blei, das aus dem Jahre 1317 stammte. Dieses wurde leider nach dem Bau der neuen Kirche 1823 an einen Emder Produktenhändler zum Einschmelzen verkauft, was heute sehr zu bedauern ist. Immer lag Siegelsum etwas abseits der Hauptwege.
Doch seit 1958 ist der Ort in weiterem Umkreis durch den Bau des Wasserwerks bekannt geworden, das zum Verbundnetz des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes gehört und im wesentlichen den ganzen Westen und Nordwesten Ostfrieslands mit frischem Trinkwasser versorgt.
Quelle: Das Land um den Störtebekerturm, Rudolf Folkerts / Jakob Raveling, ISBN 3-922365-33-7
|