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Gästebuch

Historische Informationen zur Gemeinde Rechtsupweg

Rechtsupweg entstand 1769 als Moorsiedlung. Der 1810 als erster Lehrer in Rechtsupweg angestellte Schulmeister Reershemius berichtet, dass Theie Poppen als erster Siedler ein Kolonat hinter den Osterupganter Äckern erworben habe. Ihm folgten 1770 Tjard Gerdes, Ocke Janssen Meyer, Johann Apkes, Heye Janssen, Hinrich Willms und Johann Dirks. Diese sieben ersten Kolonisten können als die Gründer von Rechtsupweg gelten, das seinen Namen von dem "Rechts-up-Wege" hat, der von Osterupgant aus als Interessentenweg ins Moor lief.

Dieser Weg musste von den Bauern in Marienhafe, Tjüche und Upgant-Schott unterhalten werden, die ihn im wesentlichen für die Torfabfuhr benutzten. Regen weichte den unbefestigten Weg mit dem moorigen Untergrund so auf, dass er sich oft genug als unpassierbar erwies. Seine Abwässerung war nicht in Ordnung, die Vorfluter wurden nicht genügend gereinigt. Hinzu kam, dass die von den Kolonisten aufgeworfenen Gräben nicht den Erfordernissen entsprachen und wohl auch nicht nach einheitlichem Plan angelegt waren. 1802 bat die Gemeinde "Rechts-up-Wege" das Amt in Aurich, dafür zu sorgen, dass Marienhafe und Upgant-Schott ihre Vorfluter in Ordnung brächten und den Interessentenweg instandsetzten, da die Kolonisten weder ihre Kinder zur Schule noch ihre Leichen zum Friedhof in Marienhafe bringen könnten.

Das kümmerliche Leben in der Wildnis und Einsamkeit des Moores forderte im Kampf mit dem unwirtlichen Gelände harten Einsatz und brachte wenig Gewinn. Lange ging es daher bei den auch wohl als "Moorhahnen" bezeichneten Siedlern ärmlich zu. Dennoch vergrößerte sich die Zahl der Interessenten ständig. Sie ließen sich Moorparzellen zuweisen, die zunächst mit einem Graben umgeben wurden. Das so eingegrenzte Stück wurde gehackt und im Frühjahr abgebrannt. Das "Moorbrennen" geschah überall nahezu gleichzeitig, so dass riesige Rauchwolken tagelang über dem Land standen, die bei entsprechenden Windverhältnissen tatsächlich über halb Europa getrieben wurden. So wird vom Torfrauch aus Ostfriesland in Polen berichtet, in Osterreich und Frankreich (hier sowohl in der Normandie als auch in Südfrankreich). Nach dem Abbrennen des Moores wurde Buchweizen eingesät, der das Hauptnahrungsmittel der Kolonisten bildete. Jedoch bald schon kam es zur Überforderung des Bodens, der das alljährlich wiederholte Moorbrennen und die immer gleiche Buchweizeneinsaat nicht ertrug. In wenigen Jahren bereits erwiesen sich die Flächen als "ausgebuchweizt", sie waren ertraglos geworden. Hinzu kam, dass der Buchweizen sehr empfindlich auf Kälte reagierte und dass das Moor die Kälte geradezu magnetisch anzog: In einem Jahr, in dem die "Eisheiligen" gnädig waren und die Witterung mild blieb, konnten die "Moorhahnen" mit einem guten Ertrag rechnen; gab es aber Nachtfröste, vernichteten diese den Buchweizen unweigerlich, und man musste auf andere Weise seinen Broterwerb sicherstellen. Die Siedler waren gezwungen, sich mit dem Binden von Heidebesen, mit Korbflechten und Leinenspinnen über Wasser zu halten, so gut es ging. Ständig blieben die Kolonisten auf einen Nebenerwerb angewiesen. So verdingten sie sich in der Erntezeit als "Sichter und Binster" und im Winter zum Dreschen. Noch bei den von Hof zu Hof ziehenden Dreschmaschinen stellten sie die meisten "Maschintjer". Wie schwer es die ersten Generationen im Moor hatten, verdeutlicht ein altes Wort: "Der erste hat den Tod, der zweite hat die Not, der dritte hat das Brot." Damit soll gesagt sein, dass erst die dritte Generation aus den Kolonaten genug zum Leben herausholen konnte. Manche gaben denn auch auf, viele aber hielten durch und schufen so die Grundlage für die heute gesunde Situation auch in der Gemeinde Rechtsupweg.

Die ersten Unterkünfte waren äußerst einfach gebaute Lehmhütten: einige in den Boden gerammte Pfähle, verbunden mit aus Langstroh gedrehten, lehmverschmierten Bändern, ein - nicht zu öffnendes - Fenster, aus Lehm gestampfter Fußboden, in dem eine Grube als Feuerstätte diente (der Rauch zog durch das Strohdach ab), enge Butzen als Schlafstätten, das war so ziemlich alles. Später konnte man kleine Häuser errichten, und langsam entwickelten sich aus ärmlichen Kolonaten gute Landstellen.

Rechtsupweg gehörte zunächst zu Marienhafe, politisch sowie schulisch und kirchlich. Als Gemeinde nach einigen Jahrzehnten selbständig geworden, mussten die Kinder zunächst noch weiter nach Marienhafe zur Schule. Erst 1804 ist die Einrichtung einer Nebenschule in Rechtsupweg genehmigt worden. In einer eigens dafür gebauten Lehmhütte wurde 1805 der Unterricht aufgenommen. 1844 entstand eine einklassige Volksschule mit Lehrerwohnung, 1884 eine zweiklassige Schule, die später vierklassig ausgebaut wurde; und nach dem zweiten Weltkrieg wurde eine neue, damals neunklassige Schule errichtet. An der Entwicklung der Schule wird das Wachstum der Gemeinde besonders deutlich.

Kirchlich ist Rechtsupweg seit dem 1 . Januar 1964 durch die Bildung der Johannes-Kirchengemeinde selbständig geworden. Ein würdiges Gotteshaus und ein eigener Friedhof liegen in der Mitte der Gemeinde. Wirtschaftlich entwickelte sich Rechtsupweg vor allem in der Zeit nach den Weltkriegen. Die einst von Armut gekennzeichnete Moorsiedlung wuchs zu einem gesunden Gemeinwesen. Der "Rechts-up-Weg" ist heute gut ausgebaut, wie auch die übrigen Gemeindestraßen und -wege, die die beiderseits dieser "Hauptstraße" entstandene Schwarmsiedlung erschließen, entsprechend der geographischen Lage in "Nordseite" und "Südseite" aufgeteilt. Um Kirche, Schule, Dorfgemeinschaftshaus und Poststelle hat sich ein Wohngebiet gebildet, das getrost als Kern bezeichnet werden kann, in dem Gewerbe und Handel in bunter Vielfalt vertreten sind.

Quelle: Das Land um den Störtebekerturm, Rudolf Folkerts / Jakob Raveling, ISBN 3-922365-33-7

Wappen_Rechtsupweg