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An eine Besiedlung des ostwärts von Osteel gelegenen Moorgebietes (heute Gemeinde Leezdorf) hat man in früheren Jahrhunderten ebenso wenig gedacht wie bei den anderen ostfriesischen Mooren. Hier wurde wohl, langsam ins Moor hinein fortschreitend, der Torf abgegraben. Dieser diente nicht nur dem Eigenbedarf, sondern wurde auch in die Krummhörn verkauft. Außerdem musste an das ostfriesische Herrscherhaus geliefert werden, das im Jahre 1650 zum Beispiel 100 Fuder Torf erhielt. Die oberste Moorschicht wurde zudem zur Gewinnung von "Plaggen" für den Wohnungs- und Wegebau verwendet und das abgetorfte niedrige "Leegmoor" als Weide genutzt. Damit war die Moornutzung erschöpft; dass es auch Wohn- und Siedlungsgebiet werden könnte, scheint lange Zeit nicht näher ins Auge gefasst worden zu sein.
Der Ortsname ist von einem kleinen Wasserzug, der "Leetze", abgeleitet, der- nach Ohling-aus dem Moor kam. Der Zuggraben, den wir noch in unserer Zeit am "Leezweg" etwa zwischen "Bererweg" und "Moortunweg" vorfinden, kann ein Rest dieses alten Wasserlaufes sein. "Leetze" (oder auch "Leitze") ist mit der Gewässerbezeichnung "Leide" verwandt, die im Brookmerland beispielsweise in den Namen "Schiffsleiding" oder "Abelitz" vorkommt. An der "Leetze" entlang entstand der "Leezweg", auf dem die ersten Torfgräber möglicherweise ins Moor vorstießen. lange, bevor es dort überhaupt Siedler gab.
1706 wird erstmals ein Johann Hinrichs genannt, der ein Stück Moor für sich gepachtet hat. In späteren Jahren ist von "Johann Hinrichs in der Leetze" die Rede. Man darf wohl annehmen, dass er der erste Moorkolonist war, einsam und ohne Nachbarn weit und breit. Ab 1756 wurde mit der Verpachtung von Moor an Siedler begonnen, 1759 ist es neu vermessen worden. Vorsichtig wurde bei der Siedlerauswahl vorgegangen: Sowohl beim Nordbrokmer Vogten Neddermann in Marienhafe als auch beim Osteeler Bauerrichter fragte man z.B. an, "ob und was sie etwa dawider hätten, wenn dem Meint und Dirk Classen ein Stück Morast bei der Leetze zum Hausbau in Erbpacht verliehen würde". Nun, diese beiden erhielten nicht die Erlaubnis, auf das "Leezdemoor" zu kommen. Aber 1764/65 setzten sich Siedler aus Norden und vom "Halben Mond" hier an; und schon wenige Jahre später konnte Vogt Neddermann 17 Kolonate melden.
Die Osteeler sträubten sich gegen die Erschließung des Moores mit einer Eingabe an die Obrigkeit, da sie das Moor zum Torfgraben, zum Plaggenhau und zum Weiden für Vieh selber benötigten. In der von Pastor, Lehrer und angesehenen Bauern unterzeichneten Eingabe heißt es, dass die anbauwilligen Personen "ihr Werk nicht mit Nutzen unternehmen könnten. Sie seien lediglich Bettler aus anderen Gemeinden oder so arme Leute, dass sie keine Miete zahlen könnten". Die Eingabe konnte keinen Erfolg haben, vielmehr setzte von 1777 an im Gebiet mit Namen "Leetzdorf" eine starke Siedlungswelle ein.
Doch es gab auch Rückschläge. Eine seltsame Begebenheit aus dem Jahre 1793 berichtet der ostfriesische Geschichtsschreiber Wiarda. Im Sommer des Vorjahres hatte es häufig und stark geregnet, so dass sich das Moor mit Wasser vollsog. Einige Berumer Moräste gerieten auf lockerem Untergrund in Richtung Leetzdorf in Bewegung und bedeckten über einhundert Diemat des bereits abgegrabenen Leegmoors, das dadurch als Kulturfläche unbrauchbar wurde. Außerdem waren durch den Schlamm die Abzugsgräben und Wasserzüge verstopft, so dass der Abfluss zum Addinggaster Siel vollständig unmöglich war. Das hatte natürlich schwere Folgen, zumal für kleine Kolonisten. Nach Wiarda sollen sich die Stände dieser Nöte der Siedler angenommen und die verschlammten Gründe in den folgenden vier Jahren wieder haben instandsetzen lassen. Die Wirklichkeit sah aber wohl anders aus, wie folgendes Beispiel zeigt: Der Siedler J. Hinrichs, der seinen und seiner Familie Lebensunterhalt in diesem Gebiet mit Torfgraben und Torfverkauf verdiente, verlor durch Verschüttung seine Torfstiche und 60 Fuder Torf. Er ließ sich ein Bittgesuch an die Landdrostei in Aurich aufsetzen, das, mit seinen drei Kreuzen unterzeichnet, heute noch vorhanden ist. Das Amt Berum wurde eingeschaltet. Als dort die katastrophalen Zustände festgestellt wurden - die Wasserzüge am Moortun- und Junkersweg waren völlig verschüttet und mit Binsen und Heidekraut bewachsen -, erhielt ein Landmesser den Auftrag, die nötigen Räumungsarbeiten einzuleiten. Dazu mussten 40 Mann aus den Gemeinden Halbemond und Osteel abgestellt werden, die aber gar kein Interesse für diese Entwässerungsarbeiten zeigten. Die Regierung zog sich schließlich zurück, da "nur wenige Individua" betroffen wären, und meinte noch, dass das Unglück wohl nicht geschehen wäre, wenn die Moräste "gehörig begrüppet" worden wären. Im Endeffekt hatten die acht betroffenen Kolonisten allein für die Kosten aufzukommen: Im Juli 1793 wird bestätigt, dass sie Fuhrmannlohn und Tagegelder für den Landmesser bezahlt haben.
Nun, die Siedler ließen sich nicht entmutigen. Sie erreichten, dass mit der Zeit auch "Leezdorf", wie es seit etwa 181 0 heißt, von einer ärmlichen Moorkolonie zu einem gesunden Gemeinwesen wuchs. Hatten auch sie anfangs nur einfache Moorhütten als Dach über dem Kopf, so sind dort inzwischen längst feste Wohn- und Wirtschaftsgebäude entstanden, die keinen Vergleich mit anderen Gemeinden zu scheuen brauchen. Ein Ortskern hat sich in Leezdorf nicht in dem Maße entwickelt wie anderswo, der Ort ist eine Schwarmsiedlung geblieben. Verkehrsmäßig waren der "Leezweg" und die von Osteel ostwärts ins Moor führenden Wege wie "Kirchweg", "Adeweg" und "Moortunweg" zunächst die wichtigsten Verbindungen. In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg wurde der "Sandkasten" angelegt, der Leezdorf mit Osterupgant verbindet. Erst nach dem zweiten Weltkrieg kam es zum fertigen Ausbau dieser wie vieler anderer Wege.
Kirchlich gehört Leezdorf seit Beginn der Besiedlung zu Osteel, aber zu Ostern 1982 wurde am geplanten Marktplatz in Leezdorf ein neuerbautes, gut eingerichtetes Gemeindezentrum mit Kirchenraum eingeweiht. Als erster Seelsorger in Leezdorf ist hier seit dem 2. Januar 1983 - offiziell als Inhaber der 2. Pfarrstelle der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Osteel-Leezdorf - Pastor Friedrich-Wilhelm Meyer tätig. - Die 1934 begründete und seit 1949 selbständige neuapostolische Gemeinde Leezdorf, deren am 25. 12. 1957 eingeweihte Kirche am Gatjeweg zu klein geworden war, konnte am 9.1.1980 am Farnweg eine neue Kirche einweihen, ebenfalls am Marktplatz gelegen. Schulisch gehörte Leezdorf ursprünglich zu Osteel, wurde später selbständig und ist inzwischen in das Schulwesen der Samtgemeinde Brookmerland einbezogen.
Quelle: Das Land um den Störtebekerturm, Rudolf Folkerts / Jakob Raveling, ISBN 3-922365-33-7
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